Die Anreise startete mit einer kleinen Verzögerung. Uwe und
Christoph warteten bereits am ausgemachten Treffpunkt, als sie die
Nachricht bekamen, dass sich der Rest der Crew etwas verspätet, da
unser Skipper leider die Schlüssel und die Schiffspapiere zu Hause
vergessen hatte. Glücklicherweise ist dies bereits kurz nach der
Abfahrt bemerkt worden, wodurch sich der Zeitplan nur geringfügig
veränderte.
Die restliche Anreise nach Opatjia verlief ohne weitere
Zwischenfälle und die Crew konnte die SegeljachtPenelope beziehen
und den Abend bei einem gemütlichen Essen im Restaurante Bellevue
und einem anschließenden Glas Wein an Deck ausklingen lassen.
Nachdem in der Früh die Vorräte an Bord noch aufgefüllt wurden, begann die Fahrt nach Unije. Nach einer Spende an den Klabautermann und einem kleinen Manöverschluck folgte eine ruhige Fahrt bei herrlichem Wetter nach Otok Unjie. Am Ziel angekommen, wurde nach erfolgreichem Anlegen an einer Boje das Beiboot zu Wasser gelassen, um die hungrige Crew vor der langen Überfahrt nach Ancona nochmals ausgiebig zu verköstigen. Ebenfalls wollte Gerhard die eigens mitgebrachte Drohne starten, um Luftaufnahmen von diesem Törn zu machen, doch leider machte uns hier die Technik einen Strich durch die Rechnung. Die Drohne wollte nicht so wie wir wollten und so blieb uns nichts anderes übrig, als uns ohne Luftaufnahmen auf den Weg zum Abendessen aufzumachen. Nach dem Essen traten wir gut gestärkt den Rückweg an, der bei wolkenlosem Himmel noch so manch schönen Schnappschuss ermöglichte.
Bereits um 03:15 Uhr legte unser Boot unter der wachhabenden
Mannschaft "Gin" in Richtung Ancona ab, während der zweite Teil der
Mannschaft, die Wache "Tonic", sich noch ihren Träumen hingab. Das
Ablegen, wie auch der gesamte Schlag nach Ancona, verlief
reibungslos. Die beiden Wachen wechselten sich im 3-Stunden-Rhythmus
ab, wodurch die Fahrt von ca. 16 Stunden ohne Komplikationen über
die Bühne ging. Bei der Fahrt unter Segel und zum Teil mit
Motorunterstützung war für alle genug Zeit, das Sonnendeck zu
nutzen, sich auszuruhen, zu entspannen oder auch einfach die
Ölbohrtürme, die wir in großer Zahl passierten, zu beobachten.
Bei herrlichen Windverhältnissen wurde der Hafen von Ancona
angesteuert und nach einem kleinen Wettrennen mit anderen Booten
konnten wir die Penelope sicher festmachen. Nach diesem langen
Schlag waren wir jedoch froh wieder festen Boden unter den Füßen zu
spüren und machten uns auf den Weg, die Stadt zu erkunden und die
leeren Bäuche zu füllen. Landestypisch und zur Feier über die
vollbrachte Überfahrt gab es Pizza.
Nach einer ruhigen Nacht stand uns nun die zweite große Fahrt
bevor. Bei Prachtwetter stach die Penelope in See. Leider meinte es
der Wettergott bald nicht mehr so gut - Wellen direkt gegen den Bug
- nach einer Stunde wurde die Route geändert, da das Ziel (Dugi
Otok) unter den herrschenden Bedingungen in der geplanten Zeit nicht
erreichbar wäre. Daher gab es kurzerhand eine Kursänderung und wir
steuerten Richtung Mali Lošinj. Dieser Plan ging zwar zunächst auf,
jedoch schlug der Wettergott erneut zu. In der Oberen Adria
(Richtung Venedig) tobte ein heftiges Gewitter, dessen Ausläufer uns
mitten in der Adria trafen. Stürmischer Wind peitschte mit Böen weit
mehr als 45 Knoten über uns hinweg und Wellen über 3 Meter
schaukelten uns hin und her. Zum Glück wissen wir, dass auch dieses
Wetter diese Crew nicht aus der Ruhe bringt, denn auch beim
Pelinkovac-Törn mussten wir uns einem Gewitter entgegenstemmen.
Nachdem sich die See wieder beruhigt hatte und sich auch die Welle
abschwächte, machten die geänderten Bedingungen eine neuerliche
Kursänderung möglich und so segelten wir, wie ursprünglich geplant,
Richtung Dugi Otok. Und damit nicht genug - um die weitere Fahrtzeit
kurzweiliger zu gestalten, leisteten uns auch Delfine Gesellschaft,
die sich vor dem Bug austobten, hin und her sprangen und uns eine
Zeit lang begleiteten.
Nach einer langen und Rückfahrt von Ancona gab es noch ein
nächtliches Anlegemanöver in Veli Rat, ehe wir uns in der Bordküche
zum Abendessen Spaghetti Carbonara zubereiteten. Mit reichlich
Speis' und Trank ließen wir den Abend an Bord ausklingen.
Nach den beiden sehr fordernden Tagen der großen Überfahrt stand
der Crew nun der entspannte und ruhige Teil des Törns bevor. Nach
einem üppigen Frühstück an Bord setzten wir die Segel und nahmen
Kurs auf die kleine Insel Ist. Bei blauem Himmel, Sonnenschein und
einer leichten Briese war unser Zwischenziel schnell erreicht. In
der Bucht von Ist brachte uns unser Skipper Sigi mit dem Beiboot
sicher an Land. Nach einer Wanderung von ca. 200 m beschlossen wir,
uns zunächst ein Gläschen Wein zu gönnen und uns zu stärken, ehe wir
den mörderischen Aufstieg zur Kirche Crkva Gospe od Sniga wagten,
die auf sage und schreibe 175 Meter über dem Meeresspiegel liegt.
Der Aufstieg forderte seinen Tribut und so kam es, dass uns auf dem
Weg nach oben unseren Skipper abhanden kam.
Oben angekommen konnten wir neben der traumhaften Aussicht über die
Insel auch eine kühle, hopfenhaltige Erfrischung genießen, ehe wir
wieder den Rückweg antraten. Unten angekommen haben wir auch unseren
Skipper angetroffen, der sich in der Zwischenzeit in der Konoba
Lako Cemo niedergelassen hatte und uns bereits erwartete.
Nach dem absolvierten Kulturprogramm nahmen wir Kurs auf die Insel
Silba, welche als Tagesziel bestimmt wurde. Wenige Seemeilen später
war auch diese Etappe vollbracht und am späten Nachmittag erreichten
wir Silba.
Nach mehreren erfolglosen Versuchen in einem nicht bewirtschafteten
Bojenfeld festzumachen ist es uns mit Hilfe von Tiroler Landsleuten
doch im sechsten Anlauf gelungen das Boot sicher zu verzurren.
Während sich ein Teil der Crew für das Abendessen fertigmachte,
brachte der Rest unseren Tiroler Kollegen eine Flasche Wein vorbei,
um uns für deren Hilfe zu bedanken.
Nach einem kleinen Schwätzchen und Wein wurde der Rest der Crew, die
noch auf der Penelope wartete, ungeduldig und signalisierte, dass
sie zum Abendessen aufbrechen wollten.
Kurz darauf brachte unser Skipper zunächst Uwe und Christoph an
Land, da nicht alle gleichzeitig ins Beiboot passen. Am Steg
angekommen geschah das, was unserem Skipper in seiner bisherigen
Laufbahn noch nie passiert ist: das Beiboot drehte 2 Runden neben
dem Steg und dann kippte das Boot mitsamt Skipper nach hinten über.
Klitschnass schaffte Siegi es aber das Boot wieder umzudrehen, doch
leider hatte der Motor Wasser gezogen, weshalb es von diesem
Zeitpunkt an hieß: die Paddel ins Wasser!
Umgezogen und wieder trocken paddelte unser Skipper zusammen mit
Heinz, Gerhard, Uwe und Markus erneut zum Steg, um zusammen mit
Christoph den ca. 30-minütigen Fußmarsch, begleitet von gefühlt
tausenden Spinnen, nach Silba anzutreten. In Silba gab es zum
Ausklang eines schönen Tages eine Fischplatte, die keine Wünsche
offen ließ.
Der Törn neigte sich langsam dem Ende zu und wir machten uns auf
unsere vorletzte Etappe. Das Tagesziel Mali Lošinj stand auf dem
Programm, jedoch war auch ein Zwischenstopp zum Baden eingeplant.
Nachdem die Spuren des Frühstücks beseitigt waren und alles für die
Abfahrt vorbereitet war, stachen wir erneut in See. Der Wettergott
meinte es wieder gut mit uns und so war es uns erneut möglich, große
Teile unseres Weges unter Segel zurückzulegen, was das Seglerherz
höher schlagen ließ. Nachdem wir das südliche Ende der Insel Lošinj
erreicht hatten, steuerten wir eine kleine jedoch gut besuchte Bucht
an, um das schöne Wetter so richtig auskosten zu können. Nach dem
Ankermanöver war es Zeit, sich in die Fluten zu stürzen und in der
Bucht die Seele baumeln zu lassen.
Nach ein paar Stunden setzten wir die Fahrt nach Mali Lošinj fort.
Im Hafen von Mali Lošinj erfreute sich die gesamte Crew zunächst mal
an den Sanitäranlagen, denn die letzten beiden Tage hatten wir nur
an Bord verbracht.
Frisch geduscht und ausgehfertig machten wir uns geschlossen auf den
Weg, um diesen besonderen Abend zu feiern. Es war nicht nur der
vorletzte Tag des Törns, sondern auch Uwes Geburtstag. Aus diesem
Anlass ließen wir die Bordkasse glühen und ließen es uns bei
ausgezeichnetem Essen und Wein gut gehen. Danach gab es noch einen
Absacker bei Live-Musik und somit kann man durchaus sagen: Ein
schöner Tag neigt sich dem Ende zu.
Der letzte Tag ist angebrochen und wir machten uns auf den Weg
von Mali Lošinj nach Ičići. Bei nahezu Windstille und keiner Welle
fuhren wir gemütlich unserem Heimathafen entgegen. Dazwischen war
genug Zeit für eine kleine Stärkung in Form von Kaffee und Keksen
und trotz des mäßigen Wetters war die Laune der Crew ungebrochen
gut.
Am Ziel unserer Reise angekommen stießen wir auf einen gelungenen,
unfallfreien und unvergesslichen Törn an, ehe wir den Abend, wie
bereits bei unserem letzten Törn, bei Beef Tatar und einer
Fischplatte in der Marina von Ičići ausklingen ließen.
Nachdem
wir unsere Habseligkeiten von Bord geholt und alles verstaut hatten,
gab es noch ein schnelles Frühstück und den Kassensturz. Hier
stellte sich heraus, wieso dieser Törn von uns als Trans-Adria
Genuss Training bezeichnet wurde. Neben der Erweiterung unserer
Segelerfahrung war auch unser leibliches Wohl bei diesem Törn nicht
zu kurz gekommen, wie die Auswertung der Bordkasse schwarz auf weiß
beweist.